Ablösung und Auswanderung

Der Verlauf der deutschen Auswanderung in die USA wird meist in drei Phasen unterteilt:
Deutsche Auswanderung nach Übersee gab es seit dem 17. Jahrhundert. Sie wurde jedoch erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts zu einem Massenphänomen, als 1816/17 die erste Welle von südwestdeutschen Auswanderern Deutschland verließ.
Verlässliche Aussagen über die Zahl deutscher Einwanderer zu treffen scheint aufgrund der lückenhaften Quellenlage schwierig: Grabbe kritisiert die zu hoch angesetzten Zahlen älterer Veröffentlichungen: "Auch die Schätzungen für die folgenden Dekaden sind bei weitem zu hoch: nicht sechzig- oder gar neunzigtausend Einwanderer kamen von 1790 bis 1820 (Fenske, Löher), keine dreißig- bis vierzigtausend von 1800 bis 1820 (Burgdörfer), sondern 28.100 im ersten und 23.000 im zweiten Zeitabschnitt. Selbst die große Auswanderungswelle der Jahre 1816 bis 1819 trieb statt der vermuteten 20.000 (Kapp) nur etwa 13.700 Deutsche und Schweizer in die Neue Welt." Grabbe, S.59
Von den deutschen Einwanderern der amerikanischen Kolonialzeit haben viele in Begleitung religiöser Mitstreiter ihre Heimat verlassen, um in Amerika in größerer Freiheit ihre Religion praktizieren zu können. Genannt werden u.a. die Gruppen der Quäker, Mennoniten und Rappisten. vgl. Helbich(1988), S.17
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts existierte ein Arbeits- und Rechtssystem, das auch armen Leuten die Überfahrt nach Amerika möglich machte: Durch das sog. Redemptioner-System erhielten Auswanderer eine freie Passage nach Amerika gegen die Verpflichtung, sich dort einem Dienstherren für mehrere Jahre als Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen.
Neben der persönlichen Unfreiheit, in die sich der Auswanderer begab, bot dieses System aber auch die Möglichkeit, sich leichter einzugewöhnen, die Sprache zu erlernen sowie eine anfängliche materielle Sicherung (Kleidung, Werkzeug, Geldmittel). Geschätzt wird, dass zeitweilig die Hälfte aller deutschen Einwanderer auf diese Form der Reisefinanzierung zurückgegriffen hat. vgl. Moltmann in Trommler, S.42
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